Rentnerkredit

AVDS Studienführer

Mit Eintritt des Rentenalters erwacht in vielen Menschen der Wunsch, Dinge nachzuholen, für die sie während ihres Arbeitslebens keine Zeit hatten. Die einen träumen von der langersehnten Weltreise, andere reizt es hingegen, neues Wissen zu erwerben und ihren geistigen Horizont durch ein Studium zu erweitern. Studiengebühren, Lernmittel, und Fahrtkosten zur Uni sind jedoch vor allem bei einer kleinen Rente nicht so leicht finanzierbar, zumal staatliche Förderungen nicht vorgesehen sind. Mit einem Kredit ließe sich Abhilfe schaffen, doch stoßen viele Senioren diesbezüglich gerade bei Ihrer Hausbank auf wenig Verständnis.

Die Gründe für die Nichtvergabe eines Kredits sind fast so vielfältig, wie die Motive für die Kreditaufnahme. Ob Senioren ein Studium finanzieren wollen, das Dach undicht ist oder ein behindertengerechter Wohnungsumbau erforderlich ist – meist erhalten sie von der Bank nur eine kurze Mitteilung über die Ablehnung der Kreditanfrage. Begründet wird diese jedoch in der Regel nicht.

Zu den häufigsten Ursachen für die Verweigerung eines Darlehens zählen eine schlechte Bonität, die Einnahmen übersteigende Ausgaben und fehlende Sicherheiten wie laufende Lebensversicherungen, Immobilien, eine Restschuldversicherung oder Bürgschaften. Auch ein negativer SCHUFA-Eintrag führt üblicherweise zur Kreditablehnung.

Darüber hinaus haben viele Banken ein Maximalalter für die Kreditvergabe festgelegt, da sie das Risiko des Zahlungsausfalls bei Menschen jenseits der 65 für zu hoch einschätzen. Zwar gilt in Deutschland das Altersdiskriminierungsgesetz, das die soziale und wirtschaftliche Benachteiligung aufgrund des Alters verhindern soll. Doch dieses lässt sich leicht umgehen, indem einfach gar kein oder ein anderer Grund für die Ablehnung angegeben wird.

Wie kommen studierwillige Senioren dennoch an einen Kredit?

Um trotz aller Schwierigkeiten das ersehnte Darlehen für das Studium zu erhalten, sollten Rentner folgende Hinweise beachten:

  • Es empfiehlt sich, die Kreditsumme möglichst gering anzusetzen. Bei Beträgen unter 5.000 Euro und der maximalen Laufzeit von drei Jahren sind die Chancen auf eine Bewilligung wesentlich größer.
  • Können die Antragsteller entsprechende Sicherheiten vorweisen, tun sich die Banken mit der Kreditvergabe ebenfalls leichter. Senioren können daher beim Kreditantrag das Darlehen gemeinsam mit dem Partner beantragen oder eine Bürgschaft, beispielsweise durch berufstätige Kinder, aufweisen. Die Option Restschuldversicherung zu wählen ist ebenfalls möglich, aber hier lohnt ein genauer Blick auf die Konditionen.
  • Seriöse Kreditvermittler und Kreditbörsen bieten eine Alternative für alle, die keine Bank finden, die ihnen einen Kredit vergibt.
  • Bei der Hausbank zahlt sich oft eine gewisse Hartnäckigkeit aus. Insbesondere langjährige Kunden sollten sich nicht einfach mit einer Absage abspeisen lassen.
  • Rentner, die einen guten Kontakt zu ihren Kindern und Enkeln haben, können diese bitten, das Darlehen für sie aufzunehmen, und dann selbst die Ratenzahlung übernehmen.
  • Es lohnt auch immer wieder, eine SCHUFA-Selbstauskunft einzuholen und zu überprüfen, ob ungerechtfertigte negative Einträge vorliegen. Einige Banken bieten auch Kredite ohne SCHUFA an.

Auswahl des Kreditinstituts – was ist zu beachten?

Bei der Auswahl des Kreditgebers ist es gerade für Senioren wichtig, sich nicht blind auf die Angaben der Banken bzw. Vermittler zu verlassen. Da mit wachsendem Alter nicht nur die Zahl der Angebote sinkt, sondern diese gleichzeitig auch teurer werden, lohnt es sich, die Konditionen genau zu vergleichen. Hilfreich hierbei ist beispielsweise kredite.net, ein unabhängiges Informations- und Vergleichsportal.

Künftige Kreditnehmer sollten insbesondere darauf achten, wie hoch der Effektivzinssatz ist, welche Sicherheiten die Bank verlangt, ob und zu welchem Preis Sondertilgungen möglich sind und ob sie die Ratenzahlung aussetzen oder anpassen können. Keinesfalls ist es ratsam, sich an unseriöse Kreditvermittler zu wenden, die in Zeitungen oder im Internet mit Slogans wie „Bargeld sofort“ werben und bereits für Angebote Gebühren verlangen.

Vor allem bei Kreditangeboten ohne SCHUFA ist es wichtig, genauer hinzusehen. Zum einen sind hier die Konditionen meist wesentlich schlechter und zum anderen tummeln sich hier auch viele schwarze Schafe, welche die ungünstige Kreditsituation für Rentner ausnutzen und Darlehen zu Wucherzinsen anbieten.

Auch im Alter noch Kredite möglich

Insgesamt ist es mittlerweile leichter geworden, ein Studium im Seniorenalter über einen Kredit zu finanzieren. Immer mehr Kreditinstitute nehmen inzwischen den demografischen Wandel zur Kenntnis und sehen Menschen im Rentenalter als zunehmend interessante Zielgruppe. Zwar ist die Altersdiskriminierung bei der Vergabe von Darlehen noch nicht ganz vom Tisch, die Lage hat sich jedoch deutlich verbessert. Einer Hochschulausbildung für lernwillige Rentner steht damit meist nichts mehr im Wege.