Ägyptologie

Einführung in die Ägyptologie

Die Ägyptologie beginnt mit Napoleon, der bei seinem Ägyptenfeldzug auch eine Bild- und Textsammlung anlegen ließ. Angefacht von der Ägyptenbegeisterung in Europa, der Ägyptomanie, leistete Jean-François Champollion daraufhin wichtige Arbeiten zur Entzifferung der Hieroglyphen anhand des Steines von Rosetta. Doch der Forscher Champollion wird mit Vorwürfen konfrontiert: Er soll sich bei seinem Forscherkollegen Young bedient haben, und er steht in Verdacht, Abschriften der Hieroglyphen nach eigenem Gutdünken zu interpretieren. Die Wissenschaft in ihrer Gründungszeit ist auch ein Spielplatz menschlicher Eitelkeiten.

Ägyptologie in Deutschland

Karl Richard Lepsius begründet die Ägyptologie in Deutschland. Er leitete eine ägyptische Expedition für den Preußenkönig Friedrich Wilhelm IV. und stellte sie in seinem Hauptwerk „Denkmäler Ägpten und Äthiopien“ zusammen. Berichten zufolge wollte er dabei den Frevel begehen, den Namen des Preußen in der Schriftübertragung Champollions in die Cheopspyramide zu ritzen. Dessen ungeachtet gilt sein Werk bis heute als Standard. Seine Sammlungen sind im Ägyptischen Museum in Berlin zu besichtigen. Als weiterer Meilenstein gilt die Entdeckung des Grabes von Tutanchamun durch Howard Carter 1922.

Ägyptologie als moderne Wissenschaft

Heute präsentiert sich die Ägyptologie als moderne Spezialwissenschaft zu allen wesentlichen Aspekte der altägyptischen Hochkultur: Hierzu gehören Sprache, Literatur, Geschichte, Religion, Wissenschaft, Kunst und Kultur. Der Zeitraum erstreckt sich von der ägyptischen Vorgeschichte des 5. Jahrtausends bis zum Ende der römischen Herrschaft im 4. Jahrhundert nach Christus. Ausgeklammert ist dabei die griechisch-römischen Geschichte, da sie als Alte Geschichte eine eigene akademische Disziplin darstellt.

Ägyptologie studieren

Einstiegsqualifikation in die Ägyptologie ist, wie in jeder Wissenschaft zu einer bestimmten Hochkultur, die Sprache. Die wichtigsten altägyptischen Sprachen sind die Hieroglyphenschrift, die Hieratik, das Demotische und das Koptische. Enge Verbindungen pflegt die Ägyptologie zur Altorientalistik, zur klassischen Archäologie, zur Papyrologie und zur Koptologie. Ägyptologische Lehrstühle oder Seminare gibt es im deutschsprachigen Raum in Berlin, Bonn, Göttingen, Halle, Hamburg, Hannover, Heidelberg, Köln, Leipzig, Mainz, Marburg, München, Münster, Trier, Tübingen, Wien, Würzburg und Zürich.

2 Responses to Ägyptologie

  1. Anna Stoll Dr.Phil.

    Guten Tag,

    Ich werde Ende Juli pensioniert und würde gerne Aegyptologie als Hörgast studieren. Wo und wann könnte ich es machen?

    Ich habe doktoriert in English Theoretical linguistics.

    Vielen Dank für die Auskunft.
    Freundliche Grüsse

    Anna Stoll

    • Sehr geehrte Frau Dr. Stoll,
      da das Gasthörerstudium fächerübergreifend ist, können sie, wo Ägyptologie angeboten wird (siehe oben) das Fach gut in Kombination mit Nachbarwissenschaften studieren. Englischkenntnisse sind da sehr hilfreich für das Lesen der Fachliteratur.
      Mit freundlichen Grüßen,
      Jochen Schneider für den AVDS
      PS: Abstriche werden sie wahrscheinlich bei der Papyrologie machen müssen. Ein interessantes Feld, ich bin mir aber nicht sicher, in wieweit Gasthörer hier forschen dürfen. Es geht ja um äußerst zerbrechliches Material.

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